Mattheus Els – Rolfing München | Du lebst, wie du stehst
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Du lebst, wie du stehst

02 Mar Du lebst, wie du stehst

Das Sein bestimmt das Bewusstsein, schrieb Karl Marx und meinte damit: Die ökonomischen Rahmenbedingungen unseres Lebens beeinflussen die Art und Weise, wie wir uns und die Welt sehen.

Wer will, kann die Bedeutung des Satzes noch weiter fassen und auf unsere Körperhaltung beziehen: Wie wir stehen und gehen – ob aufrecht, locker oder  verspannt – bestimmt, wie uns unsere Umwelt wahrnimmt und umgekehrt auch, was wir uns selbst zutrauen.

Dieser Zusammenhang lässt sich im Experiment nachweisen: Die US-Psychologin Amy Cuddy bat an der Harvard Business School Teilnehmer eines Versuchs,  zwei Minuten lang Körperhaltungen einzunehmen, die Menschen unwillkürlich wählen, wenn sie sich kompetent, sicher oder sogar überlegen fühlen: Beispielsweise mit  in die Hüften gestützten Armen oder auch bequem in einen Stuhl gelehnt mit auf den Tisch gelegten Füßen. Eine zweite Gruppe wurde gebeten, sich zwei Minuten lang buchstäblich klein zu machen: Diese Teilnehmer zogen auf Cuddys Anweisung die Schultern ein, senkten den Kopf und versteckten ihre Hände im Schoß.

Danach spielten die Versuchspersonen um Geld – und es zeigte sich, dass sich die zuvor eingenommene Haltung auf ihr Selbstvertrauen auswirkte: Diejenigen, die sich zwei Minuten lang wie Alpha-Tiere bewegt hatten, wagten deutlich mehr als die Versuchsteilnehmer, die passive Haltungen eingenommen hatten. Sogar der Hormonspiegel war verändert: Im Speichel der zuversichtlich auftretenden Teilnehmer  wurde signifikant mehr Testosteron und weniger Cortisol nachgewiesen als bei den anderen Versuchspersonen.

Testosteron fördert unter anderem Leistungsbereitschaft, Lebenslust und selbstbewusstes Auftreten. Das Stresshormon Cortisol dagegen dämpft das Immunsystem und beschleunigt tendenziell den Herzschlag. Übertragen auf unseren Alltag bedeuten die Ergebnisse des Experiments: Eine aufrechte Körperhaltung richtet uns auch innerlich auf und hilft uns, mit schwierigen Situationen fertig zu werden.

Angesichts dieser Zusammenhänge ist es nicht überraschend, dass Menschen, die sich einer Rolfing-Behandlung unterziehen, emotional angesprochen werden. Zum Teil fühlen sie sich an frühere Erlebnisse erinnert, spüren vergessen geglaubte Sehnsüchte oder Gefühle. In der Regel führt die Rolfing-Behandlung zu neuem Selbstbewusstsein – und zwar in buchstäblichem Sinn: Der Patient ist sich seiner selbst besser bewusst, seiner verletzlichen Seiten wie auch seiner Stärken. Er findet zu einer neuen Leichtigkeit im Umgang mit Herausforderungen und anderen Menschen

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