Mattheus Els – Rolfing München | Aufwühlende Arbeit am Körperpanzer
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Aufwühlende Arbeit am Körperpanzer

02 Mar Aufwühlende Arbeit am Körperpanzer

Warum uns Rolfing in der Seele berühren kann

In Tränen aufgelöst nach einer Rolfing-Sitzung – die Regel ist dies natürlich nicht, aber emotional kann die gezielte Bindegewebs-Massage durchaus im doppelten Sinn des Wortes unter die Haut gehen. Dies ist auf den ersten Blick überraschend, geht es beim Rolfing doch in erster Linie um eine physische, nicht um eine psychische Veränderung.

Wie eng der Bewegungsapparat und unsere Seele miteinander in Wechselwirkung stehen, erfahren wir allerdings nicht nur beim Rolfing, sondern auch bei alltäglichen Irritationen, beispielsweise dann, wenn wir auf einer Treppe ins Stolpern geraten. Der plötzliche Verlust der Balance und die Verschiebung der Schwerkraft in unserem Körper lassen unseren Adrenalinspiegel in die Höhe schnellen –  wir erschrecken. Umgekehrt kennen wir die physischen Auswirkungen emotionaler Veränderungen: Wenn wir nervös sind, wird unsere Haut feucht, und auf andauernden Stress reagieren viele Menschen mit Verspannungen im oberen Rücken und Nacken. Diese Blockaden binden meist aggressive Energie, die  frei wird, wenn die Faszien und damit auch die zugehörigen Muskelgruppen gelockert werden. Für den Betreffenden kann sich dies in einem plötzlichen Anflug von Ärger und Angst äußern.

Die Verbindungen zwischen Muskelspannungen und aufgestauten Gefühlen wurden bereits von Ida Rolf beschrieben. Sie ging davon aus, dass ein Körper, der im Lot ist, mit einer Persönlichkeit einhergeht, die ebenfalls mit sich im Lot ist. Dies ist der Idealfall – innerhalb eines jeden Lebens zeichnen allerdings ungelöste Konflikte und Traumata ihre Spuren in den Körper. Im Bindegewebe manifestieren sich auf diese Art enttäuschte Hoffnungen, Wut, Furcht und Sehnsüchte. Diese Verspannungen können in Summe einen umfassenden Körperpanzer bilden, dessen psychische Entsprechung eine depressive Grundstimmung ist.

Sind unerwartete emotionale Reaktionen, wenn an diesen Verspannungen gearbeitet wird, ein Grund, aufs Rolfen zu verzichten? Nach meiner Überzeugung nicht. Ähnlich wie beim Yoga bietet sich uns beim Rolfing die Gelegenheit, Gefühle kommen und gehen zu lassen, ohne sie zu bewerten, zu dramatisieren oder zu unterdrücken. Sicher ist dies leichter gesagt als getan, jedoch lohnt es sich, unsere emotionalen Schwankungen mit Aufmerksamkeit, Wohlwollen und Konzentration zu begleiten. Rolfing lässt sich in emotionaler Hinsicht als körperlich orientierte Mediationsübung begreifen – wir nehmen wahr, was in uns ist, ohne es zu manipulieren oder gar zu verurteilen. Auf diese Art gelangen wir zu einer gelassenen Akzeptanz unserer selbst, die beste Voraussetzung für emotionales Wachstum und Glück.

 

– Susanne Stephan (für Mattheus Els)

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